Die Holzschuherkapelle: Aktuelle Informationen zum Stand der Sanierung

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Die Holzschuherkapelle: Aktuelle Informationen zum Stand der Sanierung

Zuletzt hatte ich in den Mitteilungen des Bürgervereins 85/2019 S. 49 auf die Komplexität der Restaurierungsarbeiten an der Figurengruppe der Grablege von Adam Kraft hingewiesen und hinsichtlich des angedachten Termins zur Wiedereröffnung der Holzschuherkapelle für Oktober 2019 Skepsis geäußert.

Nunmehr erscheint mir nach weiteren Informationen eine Wiedereröffnung nicht vor Ende Frühjahr 2020 möglich zu sein.

Grund für diese erneute Verzögerung ist offenbar die Tatsache, dass die Entsalzung der einzelnen Figuren nicht den erhofften Erfolg gezeigt hat, wie ursprünglich geplant. Diese Konsequenz darf nicht verwundern, zumal man keinerlei Aufzeichnungen darüber hat, welchen Burgsandstein Adam Kraft aus den bekannten 30 Steinbrüchen überhaupt benutzt hat und welche Oberflächenbehandlung vor über 500 Jahren (und danach) vorgenommen wurde.

Durchforstet man die alten Quellen und zieht auch die Ergebnisse der Restaurierung der im Germanischen Nationalmuseum in der Kartäuserkirche befindlichen Kreuzweg–Stationen heran, so kann eine Vergleichbarkeit nicht hergestellt werden, da die Kreuzwegstationen unter freiem Himmel stehen sollten, während die Grablege für den Innenraum der Holzschuherkapelle gedacht war. Adam Kraft hatte seinerzeit gerade diesem Umstand bei anderen Werken besonders Rechnung getragen. Für die Grablege sind aber Aufzeichnungen des Auftraggebers an Adam Kraft mit Weisung des zu verwendenden Sandsteins nicht vorhanden.

Ferner gibt es nur vereinzelt Hinweise darauf, dass auch die Oberfläche der Figuren – vielleicht auch erst nach dem Tode von Adam Kraft 1507 – nachträglich farbige Fassungen erhielten; so ist bekannt, dass der Becher, den Maria Magdalena am Fußende des Grabes in Händen hält sowie die Haare von Johannes ehedem vergoldet gewesen sein dürften. Weiterhin lässt sich nicht annähernd abschätzen, wie lange die drei am Grab kauernden Wächterfiguren ständiger Durchfeuchtung ausgesetzt waren.

Alle diese unbekannten Umstände lassen sich nicht klar einordnen, um abschließend den Erfolg der Entsalzungsarbeiten beurteilen zu können. Letztlich wäre zu bedenken, dass auch durch „überlange“ Entsalzung – unabhängig von den weiter entstehenden Kosten – die Struktur des verwendeten Sandsteins nachhaltig beschädigt würde, und dadurch der Umstand eintritt, den man versucht hatte, nicht entstehen zu lassen. Ein wahrlich komplexes Unterfangen, das somit noch gewisser Zeit bedarf, vermutlich bis Ende Frühjahr 2020.

Ewald Weschky

2019-08-19T12:39:29+01:00